Dominik blubbrt
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Keep life simple

16.04.2020

Stillstand bedeutet Rückschritt. Oft hört man diesen Satz. Doch ist das richtig? Kommt die durch Corona provozierte Entschleunigung nicht vielleicht gerade rechtzeitig?

 Uns kann keiner was - Einbruch eines Denkfehlers

Wenn man, so wie ich, 25 Jahre alt ist, kennt man das Gefühl von Stillstand nicht. Man ist es gewohnt jederzeit zu allem Zugang zu haben. Dauerhafte Unterhaltung ist in Zeiten von Netflix, Amazon Prime, Sky und co. selbstverständlich, man ist schon beinahe genervt, wenn nicht tägliches neues Material zur persönlichen Bespaßung zur Verfügung gestellt wird. Dazu noch eine Pizza? Kein Problem, Lieferando und fertig. Sich danach mit etlichen Freunden verabreden? Nichts leichter als das, kurze Whatsapp-Nachricht in den Gruppenchat und los geht’s. Am Wochenende tun können, was man möchte? Ein Klacks, Autos sind mittlerweile Statussymbol Nummer eins, zur Not gibt es ja noch Bus und Bahn und selbst ein Flug, ist heutzutage sicherlich nicht nur den Wohlgesottenen gestattet. Sich zu jeder Zeit mit jedem Treffen, um zu machen auf was man Lust hat. Für mich normal. Der Mensch schickt sich an Kontrolle über alles und jeden auf diesem Planeten zu haben. Ein Ende der Fahnenstange? Nicht in Sicht. Und nun wurde dieses Weltbild des überheblichen Menschen doch unsanft von einem Virus in seine Einzelteile zerschmettert. 

Corona als Chance

Ein Leben auf der Überholspur - so fühlte sich es lange an. Keine Grenzen, nichts ist unmöglich, ich mach mir die Welt wie sie mir gefällt - all das sind Sätze, die man immer wieder hört. Und dann gibt es da noch ein Sprichwort, das beinahe immer ein bisschen belächelt wurde: „Keep life simple“. Oft liest man diesen banalen Satz in einschlägigen Lebensratgebern oder auf irgendwelchen schlauen Postern für die Eigenheimeinrichtung. Doch ehrlicherweise haben die Menschen in meiner Generation, glaube ich, den Sinn dahinter nie so richtig verstanden.  Oft schon war ich in Gesprächen mit meiner Oma überrascht darüber, welche Begeisterung und Freude sie für die einfachen Dinge entfachen konnte. Ein gutes Brot? Freudentaumel bei meiner Oma, den ich wohl gerade so bei einem dicken Lottogewinn entwickeln könnte. Grenzenlose Begeisterung über den Besuch einer alten Bekannten, ein nettes Gespräch und vielleicht auch noch ein, zwei Gläschen Sekt. Mehr braucht es nicht, dass sich die ältere Generation am Leben erfreut. Textnachrichten via Handy, mal kurz in ein anderes Land fliegen oder Löcher in den Hosen, um im Modejargon als très chic bezeichnet zu werden – das alles würde meine Oma als verrückte Welt abstempeln. Kaum einmal wurde den jungen Leuten so deutlich gezeigt, was das Leben ausmacht, wie in Zeiten von Corona. Der Fokus liegt auf dem ständigen Begehren nach neuer Unterhaltung. Dabei haben viele die Grundsubstanz von alledem aus den Augen verloren, nämlich die Personen, mit denen wir das erleben, die Einfachheit der Dinge, die ausreichen, um zu leben. Unsere Generation nimmt alles als selbstverständlich wahr. Reisen, Party, Klamotten, Autos, Technik. Wir definieren unseren Lebensstandard über Luxusgüter. Warum sollte man was wertschätzen, das noch nie in Frage gestellt wurde? Einfach mal kurz zu einem Kumpel rüber fahren, Kaffee trinken, vielleicht bei gutem Wetter ein Bier trinken und eine Zigarette rauchen. Hab ich mich schon mal gefragt, ob das reicht, um ein glückliches Leben zu haben oder ob eben nicht genau jene Momente das Leben sind? Ich glaube nicht, denn es wird wohl unterbewusst als gegeben angenommen, weil wir sowas wie Armut, Ausgehverbote et cetera nie kennengelernt haben. Ich bin ein geselliger junger Mann, der viel mit seinen Freunden unternimmt und trotzdem lechzte jede Handlung bei mir nach etwas Außergewöhnlichem, nach etwas Erlebenswertem. Und da ist der Denkfehler, wir genießen nicht sondern sind ständig auf der Suche nach etwas neuem, das uns entzückt. Doch was fehlt einem nun in diesen Tagen, Wochen und Monaten am meisten? Der Nervenkitzel oder das Entertainment, das jede Handlung mit sich bringen muss? Das Streben nach einem neuen Auto, nach dem neuesten Modeschrei aus London? Oder doch eher das einfache Zusammenkommen mit Freunden, bei Kaffee, Bier und einer Zigarette? Keep life simple.

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