Kaffee aus Pfullendorf? Fast. Schokolade mit Stadtgeschichte? Auf jeden Fall. Im Weltladen Pfullendorf erzählen zwei besondere Produkte von Genuss, Fairness und lokaler Verbundenheit.
Die „Linzgau Bohne“ klingt zunächst nach einem Kaffee aus der Region. Ganz so regional ist sie natürlich nicht, denn Kaffeepflanzen wachsen in Pfullendorf bisher keine. Ihre Reise beginnt viele tausend Kilometer entfernt, in Mexiko. In den Hochlagen von Chiapas wird der sortenreine Hochlandkaffee biologisch angebaut und fair gehandelt. Erst später wird er unter dem Namen „Linzgau Bohne“ in Pfullendorf angeboten. Gerade darin liegt die besondere Idee dieses Kaffees. Er trägt einen Pfullendorfer Namen, aber seine Geschichte beginnt weit entfernt. Er verbindet eine Region in Mexiko mit einem Ort im Linzgau und macht sichtbar, was bei einer Tasse Kaffee sonst oft verborgen bleibt: die Menschen, die ihn anbauen, die Bedingungen, unter denen er entsteht, und die Frage, welchen Wert faire Bedingungen hinter einem alltäglichen Genuss haben sollten.
Kaffee ist für viele ein selbstverständlicher Begleiter im Alltag. Die erste Tasse am Morgen, der Kaffee im Büro, der kurze Moment zwischendurch. Meist steht die Tasse einfach da. Die „Linzgau Bohne“ erinnert daran, dass genau hinter diesem kleinen Alltagsmoment eine viel größere Geschichte steckt. Hinter dem Kaffee steht die Kooperative ISMAM. Dort haben sich zahlreiche Kaffeebauern zusammengeschlossen, um ihren Kaffee gemeinsam zu vermarkten. Sie profitieren unter anderem von fairen und garantierten Festpreisen, Unterstützung beim ökologischen Anbau, Vorfinanzierung und zusätzlichen Geldern für soziale Projekte. Ein Teil des fairen Mehrpreises fließt in soziale Einrichtungen vor Ort. Landwirtschaftsberater unterstützen die Familien außerdem dabei, weitere Produkte anzubauen, die der eigenen Ernährung dienen.
So wird aus Kaffee mehr als ein Wachmacher. Er steht für bessere Chancen, ökologische Landwirtschaft und einen Beitrag gegen Armut, Raubbau und Landflucht. Auch in Pfullendorf wird diese Idee seit Jahren mitgetragen. Kirchengemeinden, Arztpraxen, Lehrerkollegien und viele Haushalte genießen den Kaffee regelmäßig. Aus einem alltäglichen Getränk wird dadurch ein kleines Zeichen: Kaffee kann gut schmecken und zugleich fairer sein. Im Weltladen Pfullendorf gibt es außerdem weitere hochwertige, sortenreine Kaffees aus verschiedenen Herkunftsländern. Erhältlich sind sie als ganze Bohnen, gemahlen, in Pads und in kompostierbaren Kapseln.
Wer lieber Schokolade verschenkt oder selbst genießt, findet im Weltladen Pfullendorf ebenfalls besondere Produkte mit lokalem Bezug. Besonders empfohlen werden zwei Tafeln: „Pfullendorf genießen“ und „Pfullendorfer Geschichten“. Beide Stadtschokoladen sind mehr als ein schönes Mitbringsel. Sie verbinden Geschmack, Stadtgeschichte und Fairen Handel.
Besonders die „Pfullendorfer Geschichten“ machen aus Schokolade eine kleine Entdeckungsreise. In jeder Tafel steckt eine andere Erzählung aus der Pfullendorfer Stadtgeschichte. Man packt also nicht nur Schokolade aus, sondern auch ein Stück Vergangenheit. Auf der Verpackung ist das Obertor zu sehen. Zwischen den beiden kleinen Tafeln wartet jeweils eine Geschichte. Die Erzählungen gibt es auf Hochdeutsch und auf Schwäbisch. Dadurch sieht die Schokolade nicht nur nach Pfullendorf aus, sie klingt auch ein bisschen nach Pfullendorf.
Natürlich bleibt am Ende die wichtigste Frage: Schmeckt sie? Dafür ist Chocolatier Zotter zuständig. Der Produzent wählt seine Zutaten nach strengen Kriterien aus. Die Kakaosorten stammen aus fairer Produktion, ebenso Rohrzucker, Nüsse und Gewürze. Die Milch kommt ausschließlich von Tiroler Bio-Bergbauern. Die Botschaft dahinter ist einfach und trotzdem wichtig: Schokolade darf gut aussehen, gut schmecken und fair produziert sein. Eigentlich logisch. Leider noch lange nicht selbstverständlich.
Genau hier treffen sich die „Linzgau Bohne“ und die Stadtschokoladen. Beide Produkte erzählen von Pfullendorf, aber sie bleiben nicht in Pfullendorf stehen. Der Kaffee führt nach Mexiko. Die Schokolade erzählt von Kakao, Zucker und Gewürzen, die fair gehandelt werden. Beide zeigen, dass Genuss Verantwortung tragen kann, ohne schwer zu wirken. Das macht sie auch als Geschenk besonders. Eine Tafel Schokolade mit Stadtgeschichte ist nicht einfach nur etwas Süßes. Ein Kaffee mit Pfullendorfer Namen ist nicht einfach nur eine Packung Bohnen. Beides bringt Gesprächsstoff mit. Beides hat Haltung. Beides passt zu der Idee: global denken, lokal handeln.
Dieser Gedanke begleitet den Weltladen Pfullendorf schon lange. Getragen wird er vom gemeinnützigen Verein „Ökumenischer Arbeitskreis Dritte Welt Pfullendorf e. V.“. Der Arbeitskreis wurde vor über dreißig Jahren von Mitgliedern der evangelischen und katholischen Kirchengemeinden in Pfullendorf gegründet und versteht seine Arbeit überkonfessionell. Mehr als 20 ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter engagieren sich dort. Sie verkaufen fair gehandelte Produkte, meist in Bio-Qualität. Damit unterstützt der Weltladen vor allem kleinbäuerliche Kooperativen und Handwerksbetriebe und eröffnet ihnen faire Chancen. Inzwischen blickt der Weltladen Pfullendorf auf 40 Jahre Einsatz für Gerechtigkeit zurück. Bei Kaffee und Schokolade wird dieser Einsatz besonders greifbar. Keine komplizierte Theorie, kein trockener Vortrag, kein erhobener Zeigefinger. Stattdessen: Kaffeeduft, Schokolade, Stadtgeschichten und ein bisschen Pfullendorf zum Mitnehmen.
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