Nachteule-Tabitha blubbrt
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Coffee to go - Wie Koffein den Alltag retten kann

Nachteule-Tabitha
18.10.2019

Spät auf sein ist schön und gut. Es ist wohl eine Art ungeschriebenes Naturgesetz, dass die Müdigkeit uns von morgens bis abends heimsuchen kann, aber sobald es dunkel wird und es eigentlich tatsächlich Zeit zu Schlafen wäre, ist sie wie vom Erdboden verschluckt und wir sind wieder einmal spät auf. Was an sich kein Problem wäre, je später die Stunde desto kreativer die Gedanken, wäre da nicht der nächste Morgen. Der kommt zwangsläufig, und meistens viel zu früh.

Nun gibt es bekanntermaßen verschiedene Möglichkeiten, diesem Problem entgegenzusteuern. Manche Menschen erkennen schlichtweg dessen Ursprung und tauschen die langen, durchwachten Stunden gegen einen erholsamen 10-Stunden-Schlaf ein, aus dem sie am nächsten Morgen fit und energiegeladen erwachen – bestenfalls mit den ersten Sonnenstrahlen, die durch die Fenster ins Zimmer fallen. Letzteres fällt bei mir schon aus dem Grund weg, dass das deutsche Schulsystem einen Unterrichtbeginn von 7:45 Uhr für angemessen hält und von einer aufgehenden Sonne in den Wintermonaten zum Aufstehen noch keine Spur zu sehen ist. Um bei einem um 06:00 Uhr beginnenden Weckerklingeln 10 Stunden geschlafen zu haben, müsste man am Vorabend um 20 Uhr das Licht ausknipsen – für mich als genetisch gesteuerte Nachteule utopisch. Option 1 fällt folglich weg, und ich würde es wagen zu behaupten, dass es den meisten Jugendlichen so geht.

Zu denen zählt auch meine liebe Schwester, zwei Jahre jünger als ich, aber nachts mindestens genauso lange wach. Es liegt offensichtlich in unseren Genen, dass wir für die wichtigen Dinge immer erst dann ausreichend Kreativität und Motivation erlangen, wenn wir eigentlich längst schlafen sollten. So weit, so ähnlich.

Während wir um Punkt sechs Uhr noch beide unseren Wecker verfluchen, verfolgen wir fortan allerdings unterschiedliche Strategien. Der erste Gang meiner Schwester endet in der Küche, wo sie sich dem Mittelpunkt ihres Alltags widmet: einer Senseo-Kaffeemaschine, angeschafft im Jahr 2013, leistungsstark und stets auf Abruf. Ihre Bedienung kennt meine Schwester wortwörtlich im Schlaf, ein zwangsläufig erlernter Prozess, denn vor den ersten Schlucken Koffein kann sie noch gar nicht richtig aufwachen.

Ich versuche derweil, meine Lebensgeister mit einer Portion kaltem Wasser auf den Plan zu rufen, was mal mehr, mal weniger funktioniert. Sture Biester. Vermutlich werden sie auch viel eher durch den Duft von gerösteten Kaffeebohnen angelockt als durch das Rauschen des Wasserhahnes. Aber nicht mit mir. Ich bin der Inbegriff einer Koffeinunverträglichkeit. Die sich selbstverständlich nicht erst beim Kaffee, sondern bereits beim Kinder-Lieblingsgetränk Spezi bemerkbar macht. Während alle um mich herum Cola trinken wie Apfelschorle, beginne ich nach drei Schlucken, erste Anzeichen festzustellen, die mir energisch von einem weiteren Konsum (sprich: das eine Glas leer zu trinken) abraten. Die für mich persönlich eindrücklichste Begegnung mit Kaffee fand an einem Sonntag statt, an dem ich unwissendes Ding um 16:00 Uhr einen Milchkaffee bei Mc Donalds trank, um dann bis zwei Uhr nachts wach zu liegen, über Gott und die Welt zu sinnieren und bereits den ersten Powernap des folgenden Schultages in der Mathestunde zu planen. So viel dazu.

Diese Kaffeeunverträglichkeit, mit der mich viele, inklusive mir selbst (es gibt schließlich Schlimmeres) verspotten, gibt es tatsächlich. Zunächst wird zwischen einer deutlich seltener vorkommenden Koffein-Unverträglichkeit, die den generellen Konsum von Koffein betrifft, und einer Kaffee-Unverträglichkeit unterscheidet. Im Gegensatz zu Getränken wie Cola, grünem oder schwarzem Tee ist der Anteil an Koffein im Kaffee deutlich höher. Manche Menschen reagieren auf diese Dosis mit Schweißausbrüchen, Zittern, Magenschmerzen bis hin zu Verdauungsstörungen, Sodbrennen und innerer Unruhe. Liegt eine gewisse Veranlagung vor, kann es gar zu einer psychotischen Erscheinung kommen. Zurückzuführen sind derartige Auswirkungen auf den erhöhten Dopaminspiegel.

Diese Symptome können vorübergehend sein, bis sich der Konsument an den Kaffee gewöhnt hat, oder aber dauerhaft bestehen. Besonders Frauen können häufig beobachten, dass sie ihre tägliche Tasse Kaffee in der zweiten Zyklushälfte deutlich schlechter vertragen als in der ersten. Meiner Schwester sind sämtliche dieser Auswirkungen fremd. Sie kennt glücklicherweise nur den positiven Effekt von Kaffee: Energie! Wachheit! Der perfekte Schutz gegen spontane, ungeplante Schläfchen in unpassenden Momenten. Wie beispielsweise in der Schule. Oder an einem Mittag, an dem man eigentlich dringend lernen sollte. Obwohl sie diesen Boost meist direkt nach der Einnahme spürt, braucht Kaffee eigentlich etwa 10 bis 60 Minuten, um seine stimulierende Wirkung zu entfalten – die dann, abhängig von dem jeweiligen Konsument, ungefähr drei Stunden plus minus anhält.

Diese Vorzüge des brauen Gebräus kennt die Menschheit schon lange. Allerdings hat sich die Art und Weise des Konsums in den letzten Jahren stark verändert. In diesem Prozess musste vor allem eines einbüßen: die klassische Porzellantasse. Die Zeit, die sich die Menschen früher nahmen, um entweder zu Hause oder in einem Café in aller Ruhe ihr Kaffeegetränk zu sich zunehmen, gibt es heute nicht mehr. In der Schnelllebigkeit der heutigen Gesellschaft finden all jene Dinge gefallen, die diesen Trend unterstützen. So auch „Coffee to go“, ein Slogan, der um das Jahr 1998 den Weg von den USA nach Europa fand und von dort an die Kaffeeindustrie revolutionierte – auch in Deutschland. Nahezu jedes Café und jede Bäckerei hat den Kaffee zum Mitnehmen heute ganz selbstverständlich in seinem Angebot integriert, ein Jeder von uns geht mit einer Selbstverständlichkeit durch die Stadt, selbst entscheiden zu können: bleiben oder weitergehen? Der „Luxus“ der Tassen wird gegen Pappbecher getauscht, anstandslos hingenommen. „Coffee to go“ verspricht die Flexibilität, ohne die sich viele ihr Leben nicht mehr vorstellen können.

Eine solche To-go Coffee-Bar würde sich meine Schwester auf unserem Schulweg auch wünschen. Die in unserer Aula stationierte Kaffeemaschine ist dem Großteil der Schüler nämlich ziemlich suspekt. Seit Jahren bestehen die Gerüchte, ihre Erzeugnisse würden gar kein Koffein enthalten, weshalb es gilt, sich im Laufe der Schulzeit eine gute Beziehung zum Reinigungspersonal aufzubauen, die in ihren Räumlichkeiten noch einmal eine eigene, definitiv koffeinspendende Kaffeemaschine hüten wie einen Schatz. Da derart praktische Kontakte innerhalb des Schullebens allerdings eher schwer aufzubauen sind, greift meine Schwester bisher auf ihr persönliches Coffee-to-go-Projekt zurück, sprich sie braut sich morgens in der heimischen Küche direkt zwei Portionen und nimmt eine davon in ihrem Thermo-Kaffeebecher mit in die Schule.

Wie lange sie damit noch weitermachen wird? Vermutlich bis die Schulzeit zu Ende ist und wir endlich wieder den Schlaf bekommen, den wir brauchen. Bis dahin sollten Schüler eventuell darauf achten, ihrem Körper immer nur so viel Kaffee zuzuführen wie unbedingt nötig. Ansonsten kann es interessanterweise zu einer Art „Kaffeerausch“ oder langfristig zu einer regelrechten Abhängigkeit kommen. Na dann – Prost! Wie immer gilt wohl: in Maßen, nicht in Massen. In Massen sollte man eigentlich nur eines konsumieren: Schlaaaaf. Deswegen wünsche ich nun eine gute, erholsame Nacht, bis ich das nächste Mal spät auf bin.

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